Karneval gemeinsam feiern

Karneval, Autismus und Hochsensibilität - Wie es gelingen kann, gemeinsam zu feiern

Bald ist es wieder so weit: Der Straßenkarneval startet. Besonders Rheinländer wissen, was das bedeutet. Ausgelassen feiernde Menschen und Umzüge in den Straßen. Partys mit Verkleidung und lauter Musik in Kindergärten, Schulen und am Arbeitsplatz. Dichte Menschenmengen und ausgeprägte Farben bestimmen das Bild, während gewohnte Abläufe oft durcheinandergeraten. Für die einen ist es der größte Spaß im Jahr, für die anderen eine massive Herausforderung. Denn Menschen mit Autismus, Hochsensibilität und Neurodivergenz nehmen ihre Umgebung oft anders wahr und reagieren empfindlicher auf Reize.

Karneval steht aber auch für Gemeinschaft, Freude und Ausgelassenheit — wäre es nicht toll, wenn wir es hinbekämen, das auch gemeinsam zu feiern? Sie können selbst einiges tun, um sich oder Ihr Kind auf die ‚tollen Tage‘ einzustellen. Und auch Einrichtungen haben Möglichkeiten, neurodivergente Menschen beim Feiern einzubeziehen.

Mit der richtigen Vorbereitung, Sensibilität und inklusiven Ansätzen lässt sich so aus der Herausforderung eine bereichernde Erfahrung machen!

Ressourcen erkennen

Machen Sie sich in einem ersten Schritt bewusst, welche positiven Seiten Karneval hat, denn er ist mehr als Reizüberforderung. Karneval bietet Möglichkeiten für Nähe, Humor und kulturelle Teilhabe und stärkt nicht zuletzt das Gemeinschaftsgefühl. Verkleiden, schminken, Musik und Tanz können Freude bereiten und die Kreativität fördern. Es kann für Sie oder Ihr hochsensibles Kind wichtig sein, daran teilzunehmen und sich als Teil dieser Gemeinschaft zu fühlen. Sich in Maßen Reizen auszusetzen und schwierige Situationen auszuhalten, hat außerdem eine positive Auswirkung auf neue neuronale Vernetzungen und stößt somit Lerneffekte an. Mit dieser Motivation gehen Sie die nächsten Schritte an. Dabei ist es wichtig, die Machbarkeit im Alltag zu beachten, z. B. konkrete Zeitfenster einzuplanen, die Ihre Kinderzeiten oder Ihren Arbeitsplan berücksichtigen.

Informieren und planen

Informieren Sie sich im Vorfeld, welche Veranstaltungen in Ihrer Nähe geplant sind. 

Nach der Erfassung dieser Punkte können Sie in die Planung einsteigen. Wählen Sie eine überschaubare Route oder bleiben Sie in einem festen Bereich statt im Gedränge. Bei Feiern an Ihrem Arbeitsplatz oder an der Schule Ihres Kindes können Sie erfragen, ob es Ruhezonen oder Rückzugsorte gibt. Besprechen Sie mit Ihrem Kind den Ablauf am Tag der Karnevalsfeier oder des Umzuges und bereiten Sie es darauf vor, dass dieser Ablauf  vom normalen Tagesablauf abweichen kann. Es kann für Ihr Kind hilfreich sein, dies zu visualisieren. Hier finden Sie einige kostenlose Downloads, um verschiedene Pläne zu erstellen: Metacom-Symbole. Versuchen Sie grundsätzlich, den Tag in mehrere kürzere Abschnitte einzuteilen. Planen Sie ausreichend Ruhepausen zwischen den Abschnitten ein und sorgen Sie für einen ruhigen Tagesausklang.

Vorbereiten

Wenn Sie entschieden haben, an Veranstaltungen teilzunehmen, sorgen Sie vor. Gehen Sie zum Beispiel lieber zu kleineren Umzügen an ruhigeren Tagen oder zu Zeiten mit weniger Publikum. Bei Veranstaltungen können Sie für sich selbst aber auch für Ihr reizsensibles Kind Earplugs oder Noise-Cancelling Kopfhörer besorgen. Weitere Tipps, um sich vor Reizüberflutung zu schützen, finden Sie auf dieser Seite: Hochsensibel und achtsam.

Auch bei der Kostümauswahl können Sie eine mögliche Reizüberflutung berücksichtigen, so mit Sonnenbrillen oder bestimmten Kopfbedeckungen. Vermeiden Sie schwere Kostüme, die Wärmestau produzieren oder die Bewegung einschränken. Aber vielleicht möchte sich Ihr Kind auch gar nicht verkleiden oder hat ganz besondere Ansprüche an die Verkleidung?

Kommunikation und Begleitung

Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen oder die Ihres Kindes möglichst genau zu ermitteln. Teilen Sie sie Freunden und Familie mit, um diese in Ihr Unterstützersystem einzubeziehen. Auch in Einrichtungen können Sie Unterstützung einfordern, indem Sie offen mit Lehrkräften, Erzieher*innen und Integrationsfachkräften besprechen, was Ihr Kind an diesem Tag benötigt, um einem Meltdown oder Shutdown vorzubeugen. Dazu gehört unter anderem, aufmerksam zu sein für Anzeichen von Überforderung, Verständnis und ruhige Präsenz zu zeigen und die Grenzen zu akzeptieren. Weitere wertvolle Hinweise finden Sie auch hier: Neurospektrum Praxis.

Seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu formulieren, ist nicht immer einfach. Auch die Begleitung eines Kindes mit Hochsensibilität oder Autismus stellt viele Familien vor Herausforderungen. Wenn Sie dabei Unterstützung benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite: 

Tipps für Veranstalter Arbeitgeber, Schulen und Kindertagesstätten

Was können Sie als Einrichtung jetzt schon tun?

Setzen Sie als Veranstalter ein Zeichen für Inklusion! Denn auch Einrichtungen, Schulen und Arbeitgeber können mit kleinen Maßnahmen unterstützend tätig werden, um Menschen mit Hochsensibilität oder Autismus beim Feiern einzubeziehen. Das verbessert das Arbeitsklima, den sozialen Zusammenhalt in Schulklassen und fördert das gemeinsame Lernen.

Wenn Sie sich über Autismus und Hochsensibilität informieren oder Ihr Team fortbilden möchten, vereinbaren Sie gerne ein kostenloses Erstgespräch bei mir!

Karneval kann also auch für hochsensible Menschen und Menschen im Autismus-Spektrum eine bereichernde und schöne Erfahrung werden, wenn Einrichtungen, Arbeitgeber und Schulen unterstützende Strukturen schaffen und Menschen aus dem Autismus Spektrum offen mitteilen, was sie benötigen. Wenn wir dies erreichen, können wir gemeinsam fröhlich und ausgelassen Karneval feiern.

Ein herzliches Alaaf aus Brühl! 🎉

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